{"id":105,"date":"2011-03-20T16:57:02","date_gmt":"2011-03-20T15:57:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pit-unterwegs.de\/?p=105"},"modified":"2025-01-19T18:51:04","modified_gmt":"2025-01-19T17:51:04","slug":"die-zisterzienser-und-ihre-kloster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pit-unterwegs.de\/?p=105","title":{"rendered":"Die Zisterzienser: Hintergrundwissen"},"content":{"rendered":"<p>Die Zisterzienser (lat. Ordo Cisterciensis, kurz: OCist; fr\u00fcher: Sacer Ordo Cisterciensis, kurz: SOC) sind ein monastischer Orden in der R\u00f6misch-katholischen Kirche. Er ist durch Reformen aus dem Benediktinerorden entstanden.<br \/>\nMutterkloster und Namensgeber der Zisterzienser ist das 1098 von dem Benediktiner Robert von Molesme (=von Citeaux) und 20 weiteren M\u00f6nchen der Abtei Molesme gegr\u00fcndete Kloster C\u00eeteaux.<\/p>\n<p><strong>Ordensgr\u00fcndung<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.merkur.de\/assets\/images\/6\/485\/6485555-1921102594-cluny-abtei-QV73.jpg\" alt=\"3D Rekonstruktion Cluny Klosteranlage\" width=\"768\" height=\"306\" \/><p class=\"wp-caption-text\"><em>Cluny virtuell im 11. Jahrhundert \u00a9\u00a0dpa<\/em><\/p><\/div>\n<p>Ein wesentlicher Anlass zur Ordensgr\u00fcndung war in der nur wenige Kilometer entfernten Benediktinerabtei Cluny zu suchen. Diese hatte durch Spenden und Erbschaften ein gro\u00dfes Verm\u00f6gen und viele L\u00e4ndereien erworben. Wenige Jahre zuvor (1088) hatte man mit dem Bau der damals gr\u00f6\u00dften Kirche der Christenheit begonnen, die sogar Alt-Sankt-Peter in Rom an Gr\u00f6\u00dfe \u00fcbertraf. Auch die Innenausstattung mit Fresken war aufwendig. In dieser m\u00e4chtigen und einflussreichen Abtei spielte die Liturgie eine herausragende Rolle: stundenlange Gottesdienste und feierliche Prozessionen waren an der Tagesordnung. Durch Prachtentfaltung und Reichtum war die urspr\u00fcngliche Einfachheit der monastischen Lebensweise und das Ideal, von der eigenen H\u00e4nde Arbeit zu leben, verloren gegangen.<br \/>\nEine R\u00fcckbesinnung auf die urspr\u00fcnglichen Werte schien n\u00f6tig. Die neue Gemeinschaft unterwarf sich dem Ziel, streng nach der Ordensregel des Benedikt von Nursia (Regula Benedicti) zu leben. Auf dieser Grundlage wollten sie ausschlie\u00dflich von ihrer eigenen H\u00e4nde Arbeit leben. Einnahmen aus Verpachtung und Zinsen sowie die Erhebung des Zehnten lehnten sie ab. Abgeschiedenheit von der Welt und Einfachheit der Lebensweise waren Grundideale der Reformgruppe.<\/p>\n<p>Von ihrer Grundintention wollten Robert und seine M\u00f6nche also nichts anderes sein als Benediktiner und getreu nach der benediktinischen Regel leben. Jedoch unterschied sich die Lebensweise der M\u00f6nche von C\u00eeteaux entscheidend von der anderer Benediktinerkl\u00f6ster, insbesondere der von Cluny. So entstand aus der als Reform innerhalb des Benediktinertums gedachten Neugr\u00fcndung ein neuer Orden, der gleichzeitig der erste zentralistisch organisierte M\u00f6nchsorden des christlichen Abendlandes war.<\/p>\n<p><strong>Ausbreitung<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"fr-citeaux-notre_dame-163162-0016.jpg\" href=\"http:\/\/reise.mwf-media.de\/__oneclick_uploads\/2008\/03\/fr-citeaux-notre_dame-163162-0016.jpg\" rel=\"lightbox[105]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Citeaux 1\" src=\"http:\/\/www.zum.de\/Faecher\/G\/BW\/Landeskunde\/rhein\/kloester\/burgund\/citeaux1.jpg\" alt=\"Citeaux 1\" width=\"426\" height=\"333\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von C\u00eeteaux aus kam es zu zahlreichen Neugr\u00fcndungen von Tochterkl\u00f6stern. Unter Abt Bernhard von Clairvaux wurden in ganz Europa Hunderte neue Kl\u00f6ster errichtet; auch viele ehemalige Benediktinerabteien (so etwa Fontfroide in S\u00fcdfrankreich) schlossen sich der neuen Reformbewegung an.<br \/>\nDie ersten vier Gr\u00fcndungen von C\u00eeteaux, die sogenannten Primarabteien waren La Fert\u00e9 (1113), Pontigny (1114), Clairvaux und Morimond (beide 1115). 1120 wurde mit der Abtei Tart das erste Zisterzienserinnenkloster gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><strong>Organisation<\/strong><\/p>\n<p>Die Zisterzienser waren der erste zentral organisierte M\u00f6nchsorden der Christenheit. Jede Abtei des Ordens ist grunds\u00e4tzlich selbst\u00e4ndig, jedoch auf die einheitlichen Statuten des Zisterzienserordens verpflichtet. Jede Abtei bleibt gegen\u00fcber ihrem Mutterkloster verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>Das geistliche Leben der Zisterzienser <\/strong><\/p>\n<p>Die Zisterzienser sind ein kontemplativer Orden. Sie f\u00fchren ein \u00e4u\u00dferlich zweckfreies Leben, um frei zu sein f\u00fcr ihre Suche nach Gott. Kernmerkmale der Zisterzienserspiritualit\u00e4t sind ein best\u00e4ndiges Leben in der Klausur, die Verbindung von weltabgeschiedenem Leben und zugleich Gemeinschaftsleben innerhalb des Klosters, die Pflege einer einfachen und strengen Lebensweise, Hochsch\u00e4tzung der Handarbeit sowie eine kontemplative Innerlichkeit, die sich sowohl in gemeinschaftlichem Chorgebet und privatem meditativen und betrachtenden Gebet niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Anlage der Kl\u00f6ster<\/strong><\/p>\n<p>Der Name der Kl\u00f6ster der Zisterzienser als Cistercen oder Zisterzen wird von dem lateinischen Namen Cistercium des Mutterklosters Citeaux abgeleitet und b\u00fcrgert sich sp\u00e4ter im Sprachgebrauch des Ordens als Zisterzen ein. Die Kl\u00f6ster sollten nach den Vorgaben Bernhards in abgeschiedenen Gebieten liegen, in denen die M\u00f6nche nicht durch \u00e4ussere Einfl\u00fcsse in der Aus\u00fcbung ihrer Lebensform gest\u00f6rt werden konnten. Anders als bei den Bettelorden, die kurze Zeit nach den Zisterziensern aufkamen, \u201cfinden sich deshalb kaum Zisterzienserkl\u00f6ster in St\u00e4dten\u201d. Meist wurden die Kl\u00f6ster in einem bis dahin unbewohnten und schwer zug\u00e4nglichen Seitental errichtet, dessen Talaue breit genug f\u00fcr Landwirtschaft und Viehzucht war, dessen W\u00e4lder an den H\u00e4ngen das n\u00f6tige Baumaterial liefern konnten und dessen Wasserlauf Fischzucht erm\u00f6glichte oder als Antrieb f\u00fcr eine Schmiede dienen konnte. Auf diese Weise erschlossen die Zisterzienser im Mittelalter zahlreiche Regionen neu und leisteten wahre Pionierarbeit. Zisterzienserkl\u00f6ster sind leicht an ihrem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild zu erkennen. Die Forderung nach Armut wird auch in der Architektur umgesetzt. So finden sich in der Regel keine Wandbilder, Statuen oder aufwendige Verzierungen. Die Kirchen sind schlicht, die Fassade (oder Westwand) weist oft eine Dreiergruppe von Fenstern auf, die eine symbolische Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit sind. Oft wird sogar auf T\u00fcrme verzichtet, es findet sich nur ein Dachreiter zur Aufnahme einer kleinen Glocke.<br \/>\nEin typisches \u2013 wenn auch nicht immer durchgehaltenes \u2013 Merkmal ist der quadratische Chorraum, rechts und links flankiert von weiteren Nebench\u00f6ren mit geringerer Seitenl\u00e4nge. Bis in die heutige Zeit hat sich diese Urform erhalten, etwa in Fontenay (Burgund\/Frankreich), Maulbronn oder auch im Kloster Bebenhausen (beide Baden-W\u00fcrttemberg). Diese Form war vorbildlich auch f\u00fcr andere Orden.<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zisterzienser (lat. 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