Autor: Pit Aretz (Seite 53 von 57)

Berlin 2

Frühstück heute reibungslos – der Verpeilte ist weg. Wir nehmen wieder den Bus zum Hauptbahnhof Potsdam, haben aber dazu gelernt: Keine S-Bahn mehr, die fahren ja sowieso nicht. Mit dem Regionalexpress sind wir blitzschnell am Berliner Hauptbahnhof, wo uns ganz viel Glas und ein kalter Wind empfangen.

Bundeskanzleramt - c 2009 Pit Aretz

Wir laufen über die Gustav-Heinemann-Brücke zum Bundeskanzleramt, überqueren den Platz der Republik und gehen weiter bis zum Brandenburger Tor. Erstaunlich, wieviele Touristen und Schulklassen sich hier tummeln. Den „Osten“ haben wir uns gestern angeschaut, heute wollen wir in den Westen.

Siegessäule - c 2009 Pit Aretz

Wir laufen kreuz und quer durch Wald und Park von Tiergarten, überqueren hinterm Grünflächenamt die Straße des 17. Juni und wandern an Schloss Bellevue vorbei zur Siegessäule und weiter am Neuen See vorbei zum Stauwehr am Landwehrkanal, wo wir es nur ganz kurz auf der Bank aushalten. Zu kalt.  Am Zoologischen Garten vorbei erreichen wir die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und schnuppern kurz in den Ku-Damm hinein – gegenüber dem schicken und neuaufgebauten Osten rund um die Friedrichstraße sieht das hier echt runtergekommen aus: Das war mal die Flaniermeile.

Gedächtniskirche - c 2009 Pit Aretz

Wir nehmen die Buslinie 100, sitzen im Oberdeck und fahren gemütlich und vor allem warm alle Sehenswürdigkeiten bis zum Alexanderplatz noch einmal ab.

Marienkirche - c 2009 Pit Aretz

Wir gehen am Funkturm und an der Marienkirche vorbei durchs Nikolaiviertel runter zur Spree und an der Uferpromenade entlang zum Anleger unterhalb des Aquadomes. Die Spreefahrt im Amsterdamer Ausflugsboot über Osthafen und fast bis Moabit und zurück kann man noch einmal machen: Es ist trocken, die Sonne scheint, das Boot hält den Wind ab und der Guide ist der geborene Comedian. Wir amüsieren uns prächtig über seine Witze und Anekdoten – das Boot tobt, Trinkgeld hat er sich verdient und die 15 € waren vollkommen OK.

Mit der S-Bahn fahren wir vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof und mit dem Regionalexpress zurück nach Potsdam.

Sanssouci im Abendlicht - c 2009 Pit Aretz

Am Luisenplatz setzen wir uns ins Kaffeehaus, wärmen uns auf mit heißer Schokolade und Apfelkuchen und wandern bei einem schnell dunkel werdenden Abendhimmel über die Allee nach Sanssouci und an der Orangerie vorbei zum Neuen Palais.

Neues Palais - c 2009 Pit Aretz

Da wir noch etwas auf den Bus warten müssen, versorgen wir uns im Supermarkt gegenüber dem Wohnheim mit Wein und Schokolade. Wir wählen den teuersten und er kostet auch nur 2.79 €. Beim Verlassen des Parkplatzes fährt ein Auto vorbei und ein Kind ruft laut Gabys Namen: Hallo Frau A..! – erwischt im hintersten Golm mit Billigfusel.

Nach einer aufwärmenden Dusche gehts zum Abendessen und danach müssen Wein und Schokolade dran glauben.

Berlin 1

Der Frühstücksraum ist heute noch voller als gestern und der Verpeilte lässt sich noch mehr Zeit mit allem. Die Empörung aller ist ihm sicher.

Wir schaffen dennoch den Bus um 10.13 Uhr, finden im Hauptbahnhof eine S-Bahn nach Berlin und zuckeln Station für Station für Station zum Bahnhof Friedrichstraße. An jeder Station Ansagen in Nuschel-Ost-Berlinerisch (wir haben es auch nach 52 Stationen noch nicht verstanden), die Bahn mal brechend voll, mal gähnend leer. Da wir auch heute keinen Plan haben laufen wir einfach drauflos.

Kunst im Hinterhof - c 2009 Pit Aretz

Wir überqueren die Brücke und folgen der Friedrichstraße, biegen in die Oranienburger Str. ein, kommen am Tacheles vorbei und flüchten vor einem Regenschauer in irgendeinen Kunst-Hinterhof.

Synagoge - c 2009 Pit Aretz

An der Synagoge und einer Psychiatrischen Klinik vorbei erreichen wir die Hackeschen Höfe, denen wir aber bei der Kälte nicht so viel abgewinnen können.

Dom - es ist kälter als es aussieht - c 2009 Pit Aretz

Museumsinsel Bodemuseum - c 2009 Pit Aretz

Über die Bodestraße gelangen wir auf die Museumsinsel, besichtigen den Dom und schlendern am Fluß entlang zum Regierungsviertel.

Regierungsviertel beim Reichstag - c 2009 Pit Aretz

Nach Umrundung des Reichstagsgebäudes gehen wir duchs Brandenburger

Brandenburger Tor: Zuschauermagnet - c 2009 Pit Aretz

Tor über „Unter den Linden“ zum Gendarmenmarkt., wo wir uns in eine kleine schnuckelige Kneipe setzen, um etwas zu essen und zu trinken und vor allem aufzuwärmen.

Nach dem Schauer am Gendarmenmarkt - c 2009 Pit Aretz

Wir gehen zurück zu „Unter den Linden“, laufen vorbei an der Uni und all der alten, toprestaurierten überwältigenden preussischen Pracht weiter zum Alexander Platz. Vorbei am Neptunsbrunnen drehen wir noch eine Runde durchs Nikolaiviertel und gehen am Roten Rathaus vorbei zur S-Bahnhaltestelle. Genug gelaufen für heute!

Neptunsbrunnen und Rotes Rathaus - c 2009 Pit Aretz

Auch die Rückfahrt dauert wieder recht lange, weil wir S-Bahnen benutzen und die z.Zt. streckenweise nicht oder eingeschränkt fahren. Vom Alexanderplatz fahren wir zum Westend, da eine Bahn ausfällt gehts in die Ringbahn über Schönefeld schließlich nach Potsdam, dann noch in eisiger Kälte auf den Bus warten und dann sind wir gegen 19 Uhr im Landhotel.

Hunger – wir gehen runter ins Restaurant (Gott sei dank, der Schnelle ist weg – und taucht in der Woche auch nicht mehr auf). Wir ordern die Halbpension nach und wollen uns keine weiteren Gedanken mehr übers tägliche Essen machen. Man hat die Wahl zwischen jeweils 2 Vor-, Haupt- und Nachspeisen. Das Essen ist OK, manchmal nicht mehr ganz  heiß, aber nach 17 km Gehen heute ist uns alles egal. Noch zwei Bier – klar, die großen!

Heute schlafen wir früher bei laufendem Fernseher ein.

Potsdam: Alexandrowka, Belvedere, Holländisches Viertel, Biosphäre

Kurz vor 7.00 Uhr wachen wir auf und vertreiben uns die Zeit bis zum Frühstück mit  TV-Morgenmagazin und Duschen. Im Frühstücksraum muss man sich zunächst einen freien Tisch erkämpfen, es dauert bis der vollkommen verpeilte Kellner das alte Geschirr abgeräumt, neues gebracht und dann irgendwann den Kaffee bringt. Währenddessen haben wir noch ein paar Brötchen und ein wenig Aufschnitt ergattert – das Nachlegen beherrscht der Typ überhaupt nicht. Warum mögen wir nur keine Hotels??

Draußen ist es ungemütlich kühl und regnerisch.

Brandenburger Tor und Luisenplatz - c 2009 Pit Aretz

Mit dem Auto fahren wir nach Potsdam und parken im Luisenplatz-Parkhaus (7 €). Durchs Brandenburger Tor schlendern wir mit Schirm bewaffnet (bei Karstadt kaufen wir einen zweiten) durch Einkaufstraßen Richtung Platz der Einheit und vorbei an der Nikolai-Kirche und diversen Baustellen zum Bahnhof, um uns die 5-Tage-WelcomeCard zu kaufen (69 €).

Typisches Holzhaus in Alexandrowka - c 2009 Pit Aretz

Wir haben keinen Plan und machen deshalb die große Potsdam-Rundwanderung: Russische Kolonie Alexandrowka und Hlg. Alexander N.-Kirche, wo wir uns Ikonen anschauen und in den Spendentopf zahlen. Auf dem Weg zum Belvedere klart es auf und es wird sogar schön. Drei städtische Angestellte warten an der Kasse auf uns (7 €) – wir bleiben die einzigen Besucher.

Belvedere - c 2009 Pit Aretz

Das Belvedere und die schöne Aussicht über den Jungfernsee gefällt uns sehr gut , wir genießen ein wenig die Sonne und lassen uns Zeit.

Blick über den Jungfernsee - c 2009 Pit Aretz

Zurück geht es kreuz und quer durch Alexandrowka zurück, vorbei an der Stadtverwaltung, durchs Holländische Viertel, und irgenwann nach 3-4 kurzen Schauern sitzen wir in einem Cafe.

Zwischen zwei Schauern - c 2009 Pit Aretz

Nach einem großen Kaffee und Kuchen fahren wir zur Biosphäre (19 €) und lassen uns viel Zeit beim Bummeln durch das große Gebäude.

Biosphäre Tropenhaus - c 2009 Pit Aretz

Sehr schön, lohnenswert und vor allem warm (wir sind total durchgefroren): Abenteuer, Reptilien, Schmetterlinge, Vögel, Lerninseln, Regenwald, Unterseeboot mit Aquarien und zum Schluss ein schöner Sonnenuntergang.

Schmetterlingshaus - c 2009 Pit Aretz

Wir fahren zurück nach Golm, trödeln ein wenig rum und bekommen mächtig Hunger. Eigentlich waren wir auf „Selbstkochen“ im Aparthotel eingerichtet, jetzt gehen wir unten im Restaurant a la Carte essen. Auweh, der Verpeilte ist ja immer noch da!

Nach dem Essen noch ein kleiner Verdauungsspaziergang zur Bushaltestelle und zum Bahnhof Golm (ab morgen wollen wir unsere neue WelcomeCard nutzen) sitzen wir wieder im Zimmer. So ein Abend im Hotel ist schon recht langweilig, wenn man im Bett liegend Fernseh gucken muss, kein Buch dabei hat, kein Internet…nur noch ein paar Schokoriegel und Wein im Auto.

Aachen – Bielefeld – Potsdam

Gegen 9.30 Uhr fahren wir los und sind schon um 12 Uhr in Bielefeld. Dank Navi finden wir problemlos Jonas‘ und Pias neue Wohnung. Wir lassen uns zu einem Ikea-Besuch überreden – im Parkhaus schon kaum noch freie Plätze…

Irgendwann haben wir nichts Wichtiges gekauft. Da das Ikea-Restaurant bis auf den letzten Platz besetzt war essen wir noch etwas beim Chinesen um die Ecke, bevor wir Richtung Berlin aufbrechen.
Ich erinnere mich noch gut an das mulmige Gefühl damals beim Grenzübertritt in die DDr, heute erinnert das Zonengrenzmuseum bei Helmstedt daran , dass es hier einmal eine scharf bewachte Grenze gab.

Es wird schnell dunkel und es beginnt zu regnen. Irgendwo bei Havelland müssen wir die Autobahn verlassen und dann führt uns das Navi in vollkommener Dunkelheit durch eine nicht ausgeschilderte und finstere Gegend, über Straßen mit scharfen Kurven ohne Ankündigung und Straßen voller Schlaglöcher und dann stehen wir gegen 19.30 Uhr vor dem gebuchten Aparthotel in Potsdam Golm. Gottseidank. Im  Regen raus Richtung Rezeption – aber es gibt keine Rezeption, es gibt keinen Gast, aber eine offene Tür – und da klebt ein Briefumschlag an der Tür des Verwalters. Wegen Wasserschaden … haben wir sie umgebucht ins Landhotel Potsdam. Und wo ist das????

Gaby erinnert sich auf der Irrfahrt durch Golm ein Schild gesehen zu haben – stimmt. Um 20 Uhr haben wir unser Zimmer (nix mit WLAN, das gibts nur im Zimmer direkt über dem Chef, war ja klar). Zu Essen gibt es nichts mehr, zum Glück haben wir noch ein paar Brote und Käse. Die Gratisflasche Wasser steht auf dem Tisch.

Unsere Sitzecke im Landhotel

An der Rezeption holen wir uns diverse Berlin- und Potsdam-Infomaterialien und überlegen, was wir morgen machen wollen. Bei laufendem Fernseher schlafen wir in unserem großen und geräumigen Zimmer ein…

Kathedrale Saint-Just und Saint-Pasteur (Narbonne)

Narbonne Kathedrale
Wikimedia Commons – Benh Lieu Song 2008

Baubeginn 1272, Fertigstellung des Chores 1332.

ArchiWiki - Situation

Der Bau des Querschiffs und Langbaus wurde wegen der dazu notwendigen Um- und Abbrucharbeiten an der Stadtmauer zunächst verschoben – die Zeiten waren zu unsicher, als dass man ohne Schutz auskommen konnte. Die Stadtentwicklung erlitt im 14. Jh. zudem einen Rückschlag, als die Aude nach einer Überschwemmung in ihr altes Bett zurückging. Ohne den Zugang zum Mittelmeer verlor Narbonne rasch an Bedeutung. Die zu diesem Zeitpunkt begonnenen Neu- oder Umbauarbeiten (Kathedrale St-Just, Palais des Archevêques (Bischofspalast), Basilique St-Paul u.a.) wurden wegen Geldmangels sehr schnell abgeschlossen, ohne die ursprünglichen Pläne zu berücksichtigen. Zusätzliche Mauer- und Turmeinstürze (1405) und diverse Umbauten verzögerten die Fertigstellung immer wieder.

Erst 1843 wurde der Bau der Kathedrale beendet, aber nicht wie ursprünglich geplant.

Mit 41m Chorhöhe ist die Kathedrale eine der größten gotischen Spitzbogenbauwerke Frankreichs. Die  hohen spätgotischen Lanzettfenster mit farbenprächtigen Glasmalereien stammen aus dem 14. Jahrhundert .

Bemerkenswert sind weiterhin die zwei hohen Türme und der Kreuzgang
Man baute daran von 1354 – 1417 , vollendete ihn aber nie. Er besitzt hohe gotische Gewölbe und in das Strebewerk eingelassene Wasserspeicher.

c 2009 Pit Aretz

c Pit Aretz 2009

c 2009 Pit Aretz - Kreuzgang

Abbaye Sainte-Marie (Arles-sur-Tech)

Die Abtei Sainte-Marie (auch Sainte-Marie-de-Vallespir) findet man in Arles-sur-Tech (Languedoc-Roussillon, Département Pyrénées-Orientales).

Pfarrkirche Innen | Pit Aretz 2009

Geschichte 
Die Benediktinerabtei wurde ursprünglich 778 auf den Ruinen der römischen Thermen von Amélie-les-Bains-Palalda errichtet, wegen der Plünderungen und Überfälle (vor allem durch die Normannen) wurde der Standort aber im 9. Jahrhundert  zum heutigen Standort verlegt.

Unter dem Schutz der Grafen von Barcelona und später des Königs von Aragonien erlebte die Abtei einen bemerkenswerten Aufschwung, danach folgte ein steter Verfall.
Zur Zeit der französischen Revolution verließen die letzten sechs Mönche das Kloster.

Die Abteikirche wurde auf  Wunsch der Bevölkerung zur Gemeindekirche.
Weitere Besitztümer und Nebengebäude der Abtei wurden verkauft.

Die Abteikirche
Die dreischiffige Abteikirche wurde im Jahr 1046 geweiht.

Die ursprünglich mit einem hölzernen Dachstuhl erbaute Kirche erhielt im 12. Jahrhundert ein Spitzbogengewölbe. Nach dessen Fertigstellung wurde die Kirche 1157 zum zweiten mal geweiht. Aus dieser Zeit datiert der heutige Zustand.

Eingelassen in die Außenwände der Abteikirche befinden sich zahlreiche Kapellen zur Anbetung und Verehrung von Heiligen.

Kreuzgang Ste.-Marie

Ste.-Marie in Arles-sur-Tech | Pit Aretz 2009

Der Kreuzgang
Der gegenwärtige Kreuzgang wurde in der Zeit zwischen 1261 und1303 aus weißem Céret-Marmor und Gestein aus der Provinz Girona erbaut.

c 2008 Pit Aretz

Der gotische Spitzbogen findet sich in den Arkadenbögen, getragen von schlanken, zweifach ausgeführten Säulen, ebenso wieder, wie auch im Portal und den beiden mit Maßwerk versehenen Fenstern zum Kapitelsaal an der Ostseite des Kreuzgangs.

Ein Meisterwerk katalanischer Schmiedekunst des 16. Jahrhunderts, das Kreuz des Korns (La Creu del Gra), das ursprünglich am Ortseingang von Arles-sur-Tech stand, befindet sich heute im Zentrum des Kreuzgangs. Der Name des Kreuzes erklärt sich durch die im Schaft eingearbeitete Eisenkugel.

 

Türsturz - c 2008 Pit Aretz

Die Ostfassade 
Das Portal der Ostfassade besitzt einen Granitsturz, der vermutlich von einer Vorgängerkirche aus dem 9. Jahrhundert stammt.

Unter einem bogenförmigen Gesims befindet sich eine Reliefdarstellung der Majestas Domini aus dem 11. Jahrhundert, Christus auf dem Thron in einer Mandorla, umgeben von den vier Evangelistensymbolen.

Die heilige Grabstätte 
Im Außenbereich vor der Ostfassade befindet sich ein frühchristlicher Steinsarkophag des 4. Jahrhunderts, der nach der örtlichen Überlieferung gemeinsam mit den Reliquien der heiligen Märtyrer Abdon und Sennen vor über 1.000 Jahren in Arles-sur-Tech eintraf. Die diesbezüglichen Berichte stammen aus dem 10. Jahrhundert.

Der Sarkophag soll sich, so wird in einem Dokument aus dem Jahr 1591 berichtet, auf mysteriöse Weise mit Wasser füllen.

Im Mauerwerk über dem Sarkophag ist eine Marmorplatte mit der Reliefdarstellung des Lehnsherren von Tallet, Wilhelm Gaucelm, eingelassen. Die Skulptur aus dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts wird dem Bildhauer Ramon von Bianya zugeschrieben.

Abbaye Notre Dame de Senanque

Senanque - Foto by SCOAND (Panoramio)

Die Zisterzienserabtei liegt in der Nähe der Gemeinde Gordes im Département Vaucluse, Frankreich.

Die Abtei wurde 1148 von Zisterziensermönchen aus der Abtei Mazan im Vivarais gegründet. Bemerkenswert ist die für Zisterzienser typische asketische Strenge. Diese wurde nicht nur in ihren Klosterregeln, bei denen Gebet, harte körperliche Arbeit, Gottesdienst und karge Mahlzeiten festgeschrieben waren, deutlich, sondern auch in der Architektur. Diesem Ideal entspricht das schmucklos-schlichte Kloster Sénanque.

Geschichte

Bereits 4 Jahre nach der Gründung 1148 war das Kloster derart gewachsen, dass von hier aus ein Tochterkloster im Vivarais gegründet werden konnte. Durch Schenkungen u.a. der Familie Simiane und der Herren von Venasque wuchs das zur Abtei gehörende Territorium schnell, und auf den teilweise weit entfernten Ländereien wurden Grangien („Scheunen“) gebaut, um die sich bald von Laienbrüdern bewirtschaftete Höfe gruppierten.

Im 13. Jahrhundert stand die Abtei in ihrer Blüte, die mit Wohlstand und – in der Folge – Abweichung vom benediktinischen Armutsgelübde verbunden war. Ein energischer Abt setzte Ende des 15. Jahrhunderts wieder mehr Respekt vor den klösterlichen Regeln durch. 1544, während der französischen Religionskriege, wurde das Kloster von Waldensern niedergebrannt. Einige Mönche wurden dabei gehenkt. Danach war die Abtei nur noch ein Schatten früherer Tage. Gegen Ende des 17. Jahrhundert bestand die Gemeinschaft lediglich aus zwei Mönchen. Dennoch wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Südflügel des Klosters wiederhergestellt.

In der französischen Revolution wurde es 1791 als Staatseigentum („bien national“) verkauft, was es vor der Zerstörung bewahrte. 1854 wurde Sénanque wieder als Kloster von zeitweilig 72 Mönchen genutzt. In den Zeiten von 1870 bis 1940 und 1969 bis 1989 wurde Sénanque erneut geschlossen. Inzwischen findet wieder mönchisches Leben in der Abtei statt.

Bauweise des Klosters Notre-Dame de Sénanque

Die Zisterzienserklöster wurden innen und aussen schmucklos gehalten. Fresken, Skulpturen oder Glasfenster mit figürlichen Darstellungen waren nicht gestattet. Ornamente waren lediglich als Teil der Baustruktur erlaubt. Die technische Ausführung der Bauten war jedoch besonders sorgfältig. Beim Entwurf der Kirchen spielte besonders der Lichteinfall in die schlichten Gebäude eine große Rolle. Da Jesus Christus nach christlichem Glauben das „Licht der Welt“ ist, wurden die Kirchen in der Regel „orientiert“ ( = in Richtung Osten gebaut). So ging während der Morgenmesse die Sonne – von alters her ein Symbol für Christus – hinter dem Altar auf, wo die Eucharistie gefeiert wurde.

In Sénanque wird an zwei wichtigen Stellen die Strenge und Nüchternheit unterbrochen:

  1. Im Kreuzgang befinden sich 48 Arkadenbögen mit kleinen Säulen, deren Kapitelle überaus abwechselungsreich verziert sind.
  2. Die Klosterkirche dominiert ein aufwendiges, achtachsiges Gewölbe. Gewölbebau und Spitzbögen gab es zwar bereits zum Ende des 11. Jahrhunderts, aber erst aufgrund der großen Zahl von Neugründungen wurden diese Techniken weit in Europa verbreitet.

Grundriss Senanque

Grundriss Senanque

Im Allgemeinen entspricht der Grundriss des Klosters dem anderer zisterziensischer Klöster. Aufgrund der Lage des Klosters im engen Tal der Sénancole, gibt es in Sénanque einige Besonderheiten:

  • Schreibstube (Scriptorium), Wärmeraum und Brüdersaal wurden in einem Raum, dem Calefactorium, zusammengefasst.
  • Ungewöhnlich ist auch die Lage der Sakristei jenseits der Hauptfassade.
  • Die Kirche von Sénanque ist Richtung Norden gebaut.
  • Deutlich erkennbar ist an verschiedene Stellen des Gebäudes das Rechteck als Entwurfsprinzip, besonders im Kreuzgang. Es diente den Erbauern zusammen mit dem „Goldenen Schnitt“ als Mittel zur Gliederung und Einteilung der Räume.

Rundgang

Das Dormitorium

Das Dormitorium war der ursprüngliche Schlafsaal. Es war in Abschnitte für die einzelnen Mönche unterteilt. Die Umrisse der Zellen lassen sich noch auf dem Boden erkennen. Der Raum wurde nicht beheizt. Somit war es in der kalten Jahreszeit sehr ungemütlich. Als Betten nutzten die Mönche einfache Strohmatten. Das fast 30 Meter lange Dormitorium besitzt ein einziges durchgehendes Spitztonnengewölbe (entstanden nach 1170). Die Mauern sind 1,30 Meter dick. An der westlichen Giebelwand befindet sich ein großes Rundfenster. Ebenfalls an dieser Wand findet man eine Tür, hinter der man die frühere Kammer des Abtes vermutet. Beweisen kann man dies jedoch nicht, da von diesem Raum keine Spuren erhalten sind. Wie der gesamte Grundriss des Klosters, ist auch das Dormitorium an den Tagesablauf der Mönche angepasst. An seinem Kopfende führt eine Treppe unmittelbar in das Querhaus der Abteikirche. Somit konnten die Mönche gegen zwei Uhr morgens direkt in die Kirche gehen, um den ersten Gottesdienst des Tages zu feiern. Am Abend gingen sie dementsprechend nach dem letzten Stundengebet von dort zur Nachtruhe zurück in den Schlafsaal.

Die Abteikirche

Die Abteikirche des Klosters Notre-Dame de SénanqueÜber eine Treppe, die ursprünglich aus Stein war, gelangt man vom Dormitorium hinunter in den Kirchenbereich, unmittelbar vor den Altar unter der Vierung. Der Chorraum hinter dem Altar wird rechts und links flankiert von je zwei Nebenapsiden, in denen früher ebenfalls Altäre stande, um den zahlreichen Priestern unter den Mönchen die Gelegenheit zu geben, täglich die Heilige Messe zu feiern – nicht selten für das Seelenheil des Stifters. Diese Nebenkapellen haben eigene kleine Tonnengewölbe und leicht eingezogene Apsiden.

Die Kirchenfenster wurden erst 1994 vom Glasmaler Louis-René Petit geschaffen. Mit diesen Fenstern wollte man Lichtverhältnisse erreichen, die einerseits die Wirkung des Steinbaus und seiner Architektur, andererseits die Spiritualität dieses Raumes besonders hervorheben.

Das Langhaus bildet den zweiten großen Teilraum der Kirche. Es besteht aus einem Mittelschiff, links und rechts flankiert von je einem Seitenschiff. Dieser Bereich liegt einige Stufen tiefer als der Chor und wurde 1180 errichtet. Da sich die Architektur der beiden Teile unterscheidet, sind diese wohl von verschiedenen Baumeistern errichtet worden. Auch die Steinmetz-Zeichen unterscheiden sich. Hinzu kommt, dass nach dem Geschmack der Zeit mittlerweile weniger in die Breite, dafür mehr in die Höhe gebaut wurde. So wurde das Mittelschiff gut vier Meter höher als ursprünglich geplant.

Das Gewölbe ist im Gegensatz zu den Chorgewölben ein reines Spitztonnengewölbe ohne Gurte. Das Langhaus ist im Vergleich zum Chor einfach und schmucklos. Die einzigen Blickfänge ist das Rundfenster in der Südseite, verziert mit einem Zwölfpass und den darunter liegenden Lanzettfenstern. Die Mauer unterhalb der Fenster ist eine sogenannte Blindmauer, d.h. ohne Mittelportal. Westlich, in der Verlängerung der Mauer, gibt es ein Portal, das einst den Laienbrüdern („Konversen“) als Eingang diente, und östlich in der Verlängerung ein weiterer Eingang für Pilger und Besucher. Diese Anordnung findet man sonst recht selten.

Der Kreuzgang

Kreuzgang - Foto by SRD (Panoramio)

Der Kreuzgang ist der zentrale Ort eines jeden Klosters. Wie auch in der Kirche, dem Refektorium und dem Kapitelsaal, war hier das Schweigen (Silentium) Pflicht. Es war ein Ort des Betens, Meditierens, der Lektüre, aber auch der Arbeit. Noch heute wird dieser Teil von den Mönchen wie damals genutzt. Der Kreuzgang ist, vergleichbar mit dem römischen Atrium, der zentrale Teil eines Gebäudekoplexes, der die verschiedenen Räume miteinander verbindet. Unter offenem Himmel mitten in der Natur, besitzt er aber auch eine religiöse Symbolik. Er ist das „wiedergefundene Paradies“, „der verschlossene Garten der Braut“ (aus dem Hohelied der Liebe) und das „Himmlische Jerusalem“ (aus der Offenbarung des Johannes).

Der Kreuzgang besitzt in jedem Flügel vier große Bögen, die wiederum aus je drei kleineren, durch Doppelsäulen voneinander getrennten Arkaden bestehen. Die so erzielte Gesamtzahl von zwölf Bögen hat die symbolische Bedeutung der Fülle (vgl. Zwölf Stämme Israels, die zwölf Apostel). Da laut der Offenbarung des Johannes das „Himmlische Jerusalem“ zwölf Tore hat, so soll der Mönch schon zu Lebzeiten Bewohner dieses neuen Jerusalem sein. Die Symbolik der Zahl wird ergänzt durch Licht- und Schattenspiele, hervorgerufen durch architektonische Bestandteile des Kreuzganges: die gekuppelten Säulenbögen, die Kapitelle mit Pflanzenornamenten und die steinernen Bodenplatten.

In einer Nische in der Wand neben dem Portal der Kirche befindet sich das Armarium. Darin wurden Bücher aufbewahrt.

Bei dem Überfall der Waldenser aus dem Lubéron (1544) wurden das Brunnenhaus in der südwestlichen Ecke des Kreuzganges sowie der Südflügel zerstört. Er wurde im 17. Jahrhundert neu errichtet. Vom Brunnenhaus sind jedoch nur noch Ansätze des Gewölbes zu erkennen. Von der Südweststrecke des Kreuzganges aus kann man auf den Glockenturm und das Dach blicken, das mit flachen Steinplatten („Lauzes“) bedeckt ist, die ohne Dachstuhl auf dem Gewölbe liegen.

Das Calefactorium – der Brüdersaal

Dieser auch „Wärmestube“ genannte Raum war neben der Küche der einzige Ort, der an kalten Tagen mit zwei Kaminen beheizt wurde, von denen noch einer erhalten ist. Der halbrunde Rauchfang wurde in der Nordmauer am seitlich darüberliegenden Dormitorium vorbeigeführt, das dadurch leicht erwärmt wurde.

Die Mönche führten hier Handarbeiten aus oder kopierten Manuskripte. Deshalb diente dieser Raum auch als Skriptorium. Er wurde später durch eine Mauer getrennt. Eine Säule in der Mitte trägt zentral die vier Kreuzgratgewölbe. Das Kapitell wurde im 19. Jahrhundert restauriert.

Das Refektorium – der Speisesaal

Neben dem Brüdersaal befand sich der Speisesaal und die Küche. Das Refektorium stürzte im 18. Jahrhundert ein und wurde im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut. Heute ist dieser Raum die Kapelle, in der die Mönche ihr Stundengebet beten. Sie ist allein für die Mönche und nicht für Besichtigungen geöffnet.

Der Kapitelsaal

Dies war und ist der tägliche Treffpunkt der Mönche. Jeden Morgen wurde hier unter dem Vorsitz des Abtes ein Kapitel aus den Benediktregeln vorgelesen. Danach folgte das Martyrologium (= Aufzählung der Tagesheiligen) und der Nekrolog (von gr. nekros = Tod), eine Liste derjenigen Zisterziensermönche, die an ihrem Todestag besonders geehrt wurden, da sie ein Leben wie Heilige geführt hatten.

Im Kapitelsaal baten die Mönche ihre Mitbrüder um Vergebung oder klagten diejenigen an, die gegen die Ordensregeln verstoßen hatten. Hier erfolgte die Wahl des Abtes, die Verwaltung des Klosterbesitzes und die Aufnahme von Novizen. Weiterhin wurden hier verstorbene Mönche aufgebahrt, die ohne Sarg von Mitbrüdern in der so genannten Totenwache bewacht wurden, bis sie auf dem Friedhof beigesetzt wurden.

Während der Vermeldungen saßen die Mönche je nach Dauer ihrer Zugehörigkeit im Kloster auf den entsprechenden Stufen. Aufgrund des Kreuzrippengewölbes mit zwei mächtigen Pfeilern ist die Akustik im Kapitelsaal sehr gut.

LINKS:


Hotel-Dieu | Hospices de Beaune

Ehrenhof – Stefan Bauer (CC Wikimedia)

1443 ließ Nicolas Rolin, Kanzler des Herzogs von Burgund, das Hospiz Hotel-Dieu in Beaune erbauen, das sich seit dem Mittelalter noch in perfektem Zustand befindet.

Hotel-Dieu – c 2007 Pit Aretz

Nach dem Hundertjährigen Krieg herrschten in Beaune Armut und Hunger, über 70% der Bewohner waren betroffen. Weshalb auch immer, der Kanzler und seine Frau Guigone de Salins beschlossen die Gründung eines Armenspitals…
Als Einnahmequelle diente zunächst die Saline der Frau, nach und nach wurden Weinfelder in bester Lage aus Spendengeldern gekauft oder kamen als Schenkungen dazu, auf die sich bis heute der Ruhm und Reich­tum des Hos­pi­tals grün­det.

Be­reits 1452 konn­ten die ers­ten Kran­ken auf­ge­nom­men wer­den. Die Be­treu­ung der Kran­ken übernahmen nie­der­län­di­sche Non­nen, deren Beginen-Tracht sich noch heute in der Be­klei­dung der Schwes­tern des Hôtel-Dieu wiederfindet. Bis 1971 wurden im Hospiz ununterbrochen Kranke versorgt.

Großer Armensaal – c 2006 Pit Aretz

Beginen-Schwestern – c 2006 Pit Aretz

Um den Ehrenhof sind die Flü­gel des Hôtel-Dieu angeordnet. Die Dächer sind  mit gla­sier­ten Zie­geln ge­deck­t und wer­den durch zwei Rei­hen ge­gen­ein­an­der ver­setz­ter Fach­werkgauben un­ter­bro­chen. Mit den großen gotischen Fassaden gilt das Bauwerk als Meisterwerk der mittelalterlichen burgundischen Architektur.

Hotel-Dieu – c 2006 Pit Aretz

Von den reich ge­stal­te­ten Flü­geln un­ter­schei­det sich der ver­gleichs­weise nüch­tern und ab­wei­send er­schei­nende Ein­gangs­flü­gel ganz bewusst. Im In­nern des Eingangsge­bäu­des be­fin­det sich der an ein Kir­chen­schiff er­in­nernde gro­ße Armen­saal. Hinter jedem der 24 Betten befand sich eine Truhe für die Kleidung der Kranken. Die Decke ist ein von Eichenholz getragenes spitzbogiges Gewölbe. Der das Hôtel-Dieu zu einer vier­flü­ge­li­gen An­lage er­gän­zende West­flü­gel ent­stand erst 1659.

Gotische Kunstschmiedekunst – c 2006 Pit Aretz

Die Kapelle bildet einen Teil des Armensaals und zeigt eine gelungene Symbiose zwischen religiöser und medizinischer Funktion: Die Kranken konnten am Gottesdienst teilnehmen, ohne sich fortbewegen zu müssen.
Die Küche wurde mittlerweile wieder in den Ursprungszustand zurückgebaut mit einem großen gotischen Kamin mit doppelter Feuerstelle als wichtigstem Teil.
In der Apotheke steht u.a. ein Regal mit einer Sammlung von 130 Fayencetöpfen aus dem Jahr 1782.

Apothekengefäße – c 2006 Pit Aretz

In weiteren Räumen werden alte Wandteppiche, Wandmalereien, eine Dauerausstellung über die Geschichte des Hotel-Dieu gezeigt. In einem Nebensaal in der Nähe des Ausgangs befindet sich das ursprünglich in der Kapelle aufgestellte aus dem 15. Jahrhundert stammende Polypthychon, einem Flügelaltar mit 8 Tafeln.

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